Zum 70. Jahrestag der Eröffnung des Kulturhauses Martin Andersen Nexö erinnert die Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin ab heute mit einer öffentlichen Ausstellung an die bewegte Geschichte des Hauses. Entlang der Straße der Jugend erzählen großformatige Ausstellungsplanen von der Entstehung, der architektonischen Besonderheit und der jahrzehntelangen Nutzung des Kulturhauses und schlagen zugleich den Bogen zur gegenwärtigen denkmalgerechten Sanierung.
Die Ausstellung entstand ursprünglich zum 60. Geburtstag des Kulturhauses und wurde seinerzeit von den Rüdersdorfer Heimatfreunden gemeinsam mit der Rüdersdorfer Kultur GmbH erarbeitet. Für den 70. Jahrestag wurde sie aktualisiert und um Informationen zum aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten ergänzt. Damit wird die Geschichte des Hauses auch während seiner vorübergehenden Schließung im öffentlichen Raum sichtbar und erlebbar.
Das Kulturhaus Martin Andersen Nexö wurde von 1954 bis 1956 nach Entwürfen des Architekten Emil Leibold errichtet und am 12. Oktober 1956 eröffnet. Es entstand als Kulturhaus für die Beschäftigten der Rüdersdorfer Zementwerke und entwickelte sich zugleich zu einem kulturellen Zentrum für Rüdersdorf und die gesamte Region.
Architekturgeschichtlich nimmt das Gebäude eine besondere Stellung ein. Es gehört zu den besterhaltenen Kulturhäusern der frühen DDR und ist ein herausragendes Zeugnis der Architektur der 1950er Jahre. Seine klassizistischen Formen mit dem markanten Portikus, Pilastern, Kapitellen und Friesen spiegeln die damalige Hinwendung zur sogenannten nationalen Bautradition wider. Das Kulturhaus entstand damit in einer architekturgeschichtlich besonders spannenden Übergangsphase: Während sich die DDR-Architektur Mitte der 1950er Jahre zunehmend von diesen repräsentativen, klassizistischen Formen abwandte, wurde in Rüdersdorf noch ein Gebäude verwirklicht, das diese Formensprache in besonders konsequenter und eigenständiger Weise aufgreift.
Gerade diese Verbindung aus Architektur, Baugeschichte und sozialer Funktion macht das Rüdersdorfer Kulturhaus zu einem besonderen Denkmal. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz und wurde bis zu seiner sanierungsbedingten Schließung durchgehend bespielt. In Rüdersdorf ist es längst zu einem Wahrzeichen geworden, nicht zuletzt wegen seiner charakteristischen Erscheinung, die ihm den liebevollen Beinamen „Rüdersdorfer Akropolis“ eingebracht hat.
Gegenwärtig ist das Kulturhaus für die umfassende denkmalgerechte und brandschutztechnische Sanierung geschlossen. Die Arbeiten haben inzwischen begonnen. Ziel ist es, das historische Erscheinungsbild und die wertvolle originale Substanz des Hauses zu bewahren und das Kulturhaus zugleich technisch und funktional für die Zukunft aufzustellen. Die Wiedereröffnung ist derzeit voraussichtlich für 2030 vorgesehen.
Bürgermeister Nico Nolte erklärt: „Als wir vor einigen Jahren die Vision entwickelt haben, das Kulturhaus zu sanieren, hatten wir alle die Hoffnung, dass wir das Haus an seinem 70. Geburtstag bereits wieder in Betrieb haben. Letztendlich hat sich aber gezeigt, dass ein solches komplexes Bauvorhaben an einem so bedeutenden Denkmal nicht nur Zeit braucht, sondern auch die entsprechenden Fördermittel. Diese fließen teilweise über mehrere Jahre und machen die Umsetzung eines solchen Vorhabens besonders anspruchsvoll.
Umso glücklicher bin ich, dass wir nun mit der Sanierung beginnen konnten. Gleichzeitig freue ich mich, dass wir mit dieser Ausstellung das Kulturhaus auch während der Bauphase im öffentlichen Raum präsent halten. Denn das Kulturhaus ist nicht nur ein Gebäude, es ist ein Stück Rüdersdorfer Geschichte und ein Ort, mit dem Generationen von Menschen persönliche Erinnerungen verbinden.“
Die Ausstellung lädt damit nicht nur zu einem Blick zurück, sondern auch zu einem Blick nach vorn ein: auf die Geschichte eines außergewöhnlichen Hauses und auf seine Zukunft als kultureller Mittelpunkt Rüdersdorfs.
Über den aktuellen Baufortschritt und die weiteren Maßnahmen zur Sanierung des Kulturhauses informiert die Gemeinde fortlaufend unter ruedersdorf.de/kulturhaussanierung

